Helsinkis Fels

 

Suomenlinna, Helsinki

 

d

Helsinkis Stein ist der Granit. An der Oberfläche einst von Gletschern glattgeschliffen bildet er das Fundament der Stadt, und so stößt man hier immer wieder auf flache, graue Felsen, die, abseits der asphaltierten Straßen, als oft mehrere Quadratmeter große Flächen aus dem Boden der städtischen Grünflächen ragen. Mitten in Helsinki kann es folglich passieren, dass man, eine Strecke über einen Park abkürzend und deshalb von der Straße abweichend, über bloßen Fels geht. An den Küsten und Stränden, derer es hier viele gibt, fließt der Stein dann sanft ins Wasser, moosbewachsen und von verschiedenen Gräsern durchbrochen.

Wer in Helsinki lebt, lebt jedoch nicht nur am Fels, sondern auch in ihm – ein nahezu dreihundert Kilometer langes Tunnelsystem verbindet ein Netz aus unterirdischen Freizeitanlagen, Schwimmbädern, Sportphallen, Skater-Parks, Kinderspielplätzen und Einkaufszentren. Diese in den Granit gehauene, unterirdische „zweite“ Stadt erlaubt es ihren Bewohnern, die langen, kalten Wintermonate in einem geschützten Bereich zu verbringen. Die Anlagen sind ursprünglich als riesige Atomschutzbunker konzipiert, können und sollen aber, so die Überlegung der Regierenden, auch in Friedenszeiten von der Bevölkerung genutzt werden.

Auf der kleinen Inselgruppe Suomenlinna („Finnenburg“), einem beliebten Ausflugsziel südlich von Helsinki, bestehend aus fünf Inseln und seit dem 18. Jahrhundert mit zahlreichen militärischen Befestigungsanlagen bewehrt, finden sich sowohl Granit als auch Gneiss. Dort ist der Stein schroffer, steht aufrecht, oft spaltenübersät, und bildet, abseits der Festungsbauten, eine eigene Barriere zum Wasser hin. Wo die Flechten unbehelligt wachsen können, formen sie, in Zusammenspiel mit den unterschiedlichen Gesteinen, immer neue, einmalige Muster. Den verschiedenen natürlichen Gegebenheiten und wohl auch dem Zufall folgend, werden sie meist übersehen und dem Blick hinauf zu den Festungsmauern oder hinaus zum Horizont untergeordnet. Diese Muster zu entdecken und darzustellen ist meine Aufgabe.

e

Helsinki’s signature stone is granite. Smoothed by glaciers, it forms the city’s foundations and can be found in the form of flat, grey rocks protruding from the ground in various green spaces, often covering areas of several square meters. Consequently, if you take a shortcut through a park in the centre of Helsinki, you may find yourself walking on bare rock. On the coastlines and beaches – of which there are many – the rock slopes gently into the water and is covered in moss and interspersed with various grasses.

However, the people of Helsinki do not just live on the rock; they live within it, too. A network of underground leisure facilities, swimming pools, sports halls, skate parks, children’s play areas and shopping centers is connected by a tunnel system stretching almost three hundred kilometers. This underground ‘second’ city, carved out of granite, allows its residents to spend the long, cold winter months in a sheltered environment. Although the facilities were originally designed as huge nuclear fallout shelters, the authorities say that they can and should also be used by the public in peacetime.

Both granite and gneiss can be found on the small archipelago of Suomenlinna (‘Finnish Castle’), a popular day-trip destination south of Helsinki consisting of five islands that have been fortified with numerous military defences since the 18th century. There, the rock is rougher, stands upright, is often riddled with fissures, and, away from the fortifications, forms a barrier of its own against the water. Where the lichens are left to grow undisturbed, they interact with the different types of rock to form ever-changing, unique patterns. Shaped by varying natural conditions, and no doubt by chance as well, these patterns are usually overlooked and neglected in favour of views of the fortress walls or the horizon. My task is to discover and depict them.

Weiter
Weiter

Poesie